Projekttag Reli-Ethik 2017

 

Projekttag „Erlebnis Ortskirche“ wird zum Erlebnis für SchülerInnen, Eltern und Lehrkräfte

Die gesamte Schülerschaft des Gymnasiums Nord verbrachte am 20.04. einen Projekttag unter dem Motto „Erlebnis Ortskirche“. In fünf Gruppen besuchten die Schülerinnen und Schüler dabei zunächst die Gotteshäuser der Gemeinden Christ-König, Wichern, St. Antonius, St. Sebastian oder der Auferstehungsgemeinde. Die Schülerinnen und Schüler der Religionskurse konnten dabei in konfessionellen Gruppen ein ihnen meist unbekanntes Gotteshaus der eigenen Konfession erkunden, indessen die Ethik-Gruppen per Zufallszuordnung die Kirche einer christlichen Konfession erlebten. Dort wurden sie von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gemeinden empfangen und geführt, die neben einem Blick „hinter die Kulissen“ in Sakristeien, Kellergewölbe und Tresore oder auf Orgelemporen viele Fragen der Kinder beantworteten. Dabei reichten die Fragen der Kinder vom richtigen Verhalten in der Kirche über die Bedeutung und Symbolik der entdeckten Gegenstände bis hin zur Trinität und Transsubstantiation (Wann ist das Brot nur Brot und kann eventuell auch an Tauben verfüttert werden? Und wann steht es für den Leib Christi und muss im Tabernakel aufbewahrt werden?). Die Kinder waren überrascht, wie schwer ein edelmetallenes Kreuz sein kann, zählten eifrig die Pfeifen der Orgel, erprobten die Reichweite des Mikrofons am Lesepult, läuteten intensiv die Ministrantenglöckchen und hoben mitunter den Deckel des Taufbeckens an, um zu überprüfen, ob da auch ein Baby hineinpasst. Ein Dankeschön gilt allen Kindern, die den Projekttag mit ihren spannenden Fragen, ihrer Offenheit für Neues und ihrem Zugehen auf die Gegenstände der Kirche bereichert haben. Für die Antworten und die mitreißenden Führungen danken wir herzlich den Verantwortlichen der Kirchen, Frau Pfarrerin Föhrenbach (Wicherngemeinde), Herrn Pastoralreferent Feldes (Gemeinde Christ-König), Herrn Pfarrer Daniel (Gemeinde St. Antonius), Herrn Pfarrer Hofmann (Auferstehungsgemeinde) und Herrn Pfarrer Meiller (Gemeinde St. Sebastian). Sie alle haben dazu beigetragen, dass ein Kind in der Abschlussmeditation formuliert: „Wenn die Kirche reden könnte, würde sie Folgendes sagen: Kommt alle rein! Alle sind willkommen. Egal, ob Christ oder nicht. (…)“. Auch während der anschließenden Stationenarbeit und der Meditationen in der Kirche konnten die Schülerinnen und Schüler Neues erfahren, das sie wieder in der Schule angekommen in ihren Klassen einander mitteilten – ebenso wie ihre positiven persönlichen Erfahrungen mit „Kirche zum Anfassen“. Auch für uns als Lehrkräfte war dieser Tag erlebnisreich und spannend. Für den reibungslosen Ablauf bedanken wir uns ebenfalls bei unseren engagierten und sachkundigen Begleitpersonen, Frau Sies (evangelische Kirche), Herrn Dr. Quirmbach (katholische Kirche) und acht Elternteilen, die sich als Ansprechpartner für alle fachlichen und persönlichen Fragen unserer Schülerinnen und Schüler an diesem Tag unermüdlich zur Verfügung gestellt haben.
Wir freuen uns, diesen tollen Tag mit unseren Schülerinnen und Schülern, den Mitarbeitern der Gemeinden und Kirchen und den Eltern erlebt zu haben.

Sina Oetken und Dr. Martin Krieger

So viel wie ein Auto würde diese Monstranz kosten, antwortet Pfarrer Daniel. Etwas nüchtern klangt die Frage des Fünftklässlers, nachdem doch ein Raunen durch die Gruppe in der Sakristei von St. Antonius gegangen war, als der Pfarrer diese Kostbarkeit auspackte. Aber so dachten die damals wenig begüterten Gemeindemitglieder nicht, als sie vor 120 Jahren die Kirche bauten und dann noch eine solche Monstranz anschafften. Es wird also in der Gruppe darüber spekuliert, was sie wohl angetrieben habe. Das Interesse der Schüler vom neuen Gymnasium Nord ist groß, schließlich ist die ganze Schule, die in diesem Schuljahr ihren Betrieb aufgenommen hat, unterwegs (ein Bericht der Schule finden Sie hier). Vorbereitet wurden die SchülerInnen von den Religions- bzw. Ethiklehrern Fr. Oetken und Hr. Dr. Krieger, die darin eine Möglichkeit sehen, fächerübergreifend und gleichzeitig konfessionsbewusst diesen Projekttag zu gestalten. Denn das 5. Schuljahr wird konfessionell-kooperativ unterrichtet. “Da bietet gerade ein kirchraumpädagogischer ausgerichteter Tag eine gute Gelegenheit, dass die ansonsten gemischt-konfessionellen Lerngruppen einmal ihre je eigene Kirche kennenlernen und dabei auch ein Verständnis für die jeweiligen Besonderheiten entwickeln können,” lautet es aus dem Vorbereitungsteam. So wie eben der katholischen St. Antonius Kirche, über die sie sich dann mit ihren evangelischen Mitschülern, die in der Wichern-Gemeinde zu Gast waren, in ihrer Klasse austauschen können. Eine Menge Material und Informationen sind da zusammengekommen, und da wird sicher noch die eine oder andere Relistunde Gelegenheit bieten, dies aufzugreifen. Aber schon vor Ort wurde manches klar, wie beispielsweise die Vermutung zum Anschaffungspreis der Monstranz wohl zutrifft: die Menschen wollten eben ihre besondere Verbundenheit und Liebe zu Gott dadurch ausdrücken, dass sie etwas ganz Kostbares herstellen ließen. Dass man Gott auch noch auf andere Weise ehren kann, dass wäre nun eine Lernaufgabe für die Religionsstunde nächste Woche…

Dr. Horst Quirmbach in Link

Stimmen von Schülerinnen und Schülern zum Projekttag „Erlebnis Ortskirche“:

„Die Kirche ist das Zeichen an Gott zu glauben und ihm zu zeigen, dass man stets auf seiner Seite steht.“ (Salaheddin, 5d in seinem Meditationstext)

„ (…) Ich fand auch schön, wie die Kirche geformt war und die schönen Bilder, die auf den Wänden und den Figuren waren. Ich habe andere Sachen gesehen und gehört als in der orthodoxen Kirche. Ich fand es sehr aufregend, was uns der Priester erzählt hat. (…)“
(Leonard, 5d in seinem Meditationstext)

„ (…) jeder ist hier willkommen! Ob Mensch, Tier, Gläubige oder nicht Gläubige. Hier soll der Geist ruhen und nur bei Gott sein. Hier wird an schöne Erlebnisse und Fehler gedacht, bei denen Gott dich beschützt hat. (…)
(Frieda, 5b in ihrem Meditationstext)

„Die Kirche erzählt mir alles über Gott.“ (Mete, 5f in seinem Meditationstext)

„Die Kirche zeigt mir mit der Orgel, dass Musik Leid und Schmerz bekämpfen kann.“ (Asal, 5a in ihrem Meditationstext)

„Ich finde es gut, dass man in der Kirche über seine eigenen Taten nachdenken kann.“ (Gleb, 5a in seinem Meditationstext)

„Ich war der Einzige, der das Kreuz halten durfte, nicht einmal meine Lehrerin.“
(Jonathan, 5c auf dem Heimweg)

„Die Musik war so schön.“ (Imad, 5a in der Nachbesprechung über die von Herrn Dr. Krieger mitgebrachten Instrumentalversionen der Gesänge der Communauté de Taizé)

„Die Kirche hat in mir ein schönes Gefühl erzeugt.“ (Martin, 5f in der Nachbesprechung)

„Mir fehlt der Kirchturm, an dem man erkennen kann, dass da eine Kirche ist – aber ich finde es trotzdem gut, dass die Wicherngemeinde eine Kita statt eines Kirchturms gebaut hat.“
(Hannah, 5a in der Nachbesprechung)