Blindenhund 6b

Eine tierische Führerin zu Gast in der 6b

Es ist Mittwoch morgen, die Klasse 6b strömt herein. Alle sind aufgeregt. Heute soll nämlich besonderer Besuch in die Klasse kommen! Nachdem ein Stuhlkreis gebildet ist, betreten drei Leute den Raum: eine Frau mit einem Blindenstock, eine weitere Frau mit einem Hund in einem Geschirr und ein Mann ohne Blindenstock und Hund. Nachdem alle drei sitzen, stellen sie sich vor: Die Frau mit dem Blindenstock heißt Frau Fröhlich, ist sehbehindert und hatte drei Blindenführhunde. Jetzt benutzt sie nur noch den Blindenstock. Die zweite Frau heißt Frau Brauneis und ihr Hund heißt Beauty. Da auch sie sehbehindert ist, hilft ihr Beauty, ihr Blindenführhund im Alltag. Der Mann, Herr Fröhlich, begleitet die beiden Frauen heute, damit sie den richtigen Weg finden.

Jetzt geht es aber los! Zuerst darf die Klasse Fragen stellen. Wir erfahren so z. B. dass ein Blindenführhund zwei Jahre ausgebildet wird und sich den Menschen selbst aussucht, bei dem er dann lebt und arbeitet und dass Beauty fünf Jahre alt ist. Sie spielt sehr gern draußen. Das darf sie aber auch nur, wenn sie das Geschirr nicht trägt, weil sie nur dann nicht im Dienst ist. Um zu erfahren, wie Beauty “sagt“, dass zum Beispiel eine Treppe kommt oder anderes, geht die 6b auf den Schulhof. Zuerst dürfen alle Beauty einmal streichen, bevor ihr das “Dienstgeschirr“ wieder angelegt wird. Sie hat sehr weiches Fell und ist sehr geduldig mit uns!

Dann geht Frau Brauneis mit Beauty am Bauzaun entlang in Richtung Treppe. Beauty geht in eine andere Richtung, wenn Frau Brauneis zum Beispiel direkt auf den Bauzaun zu läuft. An der Treppe angekommen, stoppt Beauty, stellt sich neben das Geländer und wartet, bis Frau Brauneis am Geländer ist. Beauty stellt sich dann mit den Vorderbeinen auf die erste Treppenstufe. So merkt Frau Brauneis am Geschirr, ob die Treppe nach oben oder nach unten führt. Beauty zeigt der Klasse sogar, dass sie auch Mülleimer und Aufzüge findet.

Danach bekommen alle Kinder der 6b Brillen, durch die man schlecht, nur durch zwei kleine Löcher oder gar nicht durch sehen kann. Als Hilfe bekommt jeder noch einen Blindenstock, um den Parcours abzulaufen. Je nach Brille wird es immer schwieriger. Dann gehen alle in den Raum zurück.

Herr Fröhlich hat dort inzwischen verschiedene Dinge aufgebaut. Es gibt zum Beispiel das Braille Alphabet, eine Schrift, die mit verschiedenen Punkten in das Papier eingeprägt und somit mit den Fingern “lesbar“ ist und verschiedene Spiele, die alle so gemacht sind, dass auch Blinde und Sehbehinderte sie spielen können. Bei dem Spiel “Mensch ärgere dich nicht“ haben die Figuren verschiedene Oberflächen und bei Kartenspielen sind die Zeichen eingeprägt.

Die beiden unvergesslichen Schulstunden waren viel zu schnell zu Ende! Hoffentlich besucht uns Beauty bald wieder! Wir haben so viel Neues erfahren, zum Beispiel einmal am eigenen Körper gefühlt, welche große Herausforderung der Alltag eines blinden oder sehbehinderten Menschen darstellt, aber auch, welche Hilfsmittel es gibt und wie sehr ein Blindenführhund in die Familie wächst.

Frieda Kühn, 6b