Projekttag Islam

Dazulernen und Einstellungen überprüfen

Jahrgangsstufe 7 begegnet beim Projekttag auf vielfältige Weise dem Islam

„Ich habe viel Neues gelernt und ich glaube, dass viele von uns ihre Einstellung überdenken werden.“, urteilt ein Siebtklässler am Ende des Projekttags Islam am 07.06.2019. Ein anderer Schüler berichtet mir auf dem Nachhauseweg, dass er einem seiner Mitschüler gerade zwei Bücher über den Islam aus der Bücherei geliehen habe.

Für den Projekttag hatte das Organisationsteam ein geradezu akademisches Programm zur Wahl gestellt, dem die Schülerinnen und Schüler alle Ehre machten und Leben verliehen. Die Jugendlichen durften sich für einen von sechs Workshops entscheiden.

Zwei Gruppen waren außerhalb der Schule auf Erkundungstour gegangen. Eine Gruppe mit Herrn Dr. Krieger und der Mutter eines Schülers Frau Reinmann lernte die deutschsprachige Moschee des iisev kennen und erfuhr in einer Führung und einem spannenden Gespräch viel über die Arbeit der Moschee und über die baulichen Gegebenheiten. Im Gebetsraum auf dem bequemen Teppichboden sitzend erörterten die Jugendlichen zudem ihre Fragen zum Islam im Allgemeinen und zur Moschee im Besonderen.

Eine weitere Gruppe mit Frau Föhrenbach und Frau Maurer besuchte die Moschee Abu Bakr in fußläufiger Nachbarschaft zur Schule. Schülerinnen und Schüler berichten:

„Wir haben heute in der Abu Bakr-Moschee viel Neues gelernt. (…) Als wir reinkamen setzten wir uns alle im Kreis hin. Herr S. erzählte und ein paar Dinge über Propheten und den Koran.“ (Salaheddin, 7d) „Nachdem er uns vieles erzählt hatte, durften wir noch Fragen stellen. (…) Der Mann konnte alle Fragen sehr gut erklären, so dass es sehr verständlich war.“ (Alicia, 7d). „Der Gebetraum war friedlich und mit hellen Farben geschmückt. Die meisten Teile der Moschee waren handgemacht und wenn man mittendrin hindurchlief, sah man die Kuppel. Die Kuppel war mit einer arabischen Schrift verziert.“ (Sara, 7d)

„Mich hat es beeindruckt, dass die Abu-Bakr-Moschee jeden willkommen heißt, egal welche Religion, Hautfarbe und Herkunft. (…) Außerdem fühlte man sich sehr wohl in der Moschee und ich habe als Muslimin noch manches dazugelernt, was ich noch nicht wusste. Zum Abschluss gab es noch Minztee und Muffins. Ein toller Ausflug!“ (Sharipa, 7b)

Die restlichen vier Gruppen hatten sich für Gesprächsvorträge und Workshops in der Schule entschieden.

Herr Lamjahdi von TUN e.V. zeigte ein Film, wie Muslime in Deutschland in der Jugendarbeit tätig sind und sich gegen jede Form von Extremismus einsetzen. Die Jugendlichen durften im Anschluss an den Film ihre eigenen Fragen stellen und diskutierten ausgiebig über Fragen der Extremismusprävention. Natürlich durften sie auch allgemeine Fragen zum Islam stellen und bekamen Antworten vom Experten.
In einem weiteren Projekt diskutierten Frau Boudan und Frau Tahmas vom teamRahma mit Kleingruppen intensiv jegliche Form von Diskriminierung- nicht zuletzt Diskriminierung des Islam, die sich leider viel zu häufig in Medien findet. Dass Diskriminierung an der Schule keinen Platz haben soll, ist für die Schülerinnen und Schüler sehr deutlich geworden. Sie reflektierten verschiedene Gründe für Diskriminierung und auch ihre eigenen Verhaltensweisen, denn Diskriminierung beginnt im Kleinen, beispielsweise bei manchen schlechten Scherzen. Es spricht für sich, dass die meisten Schülerinnen und Schüler auch eine Viertelstunde nach Schulschluss noch bei teamRahma anzutreffen waren und in regem Austausch standen.

Dieser Workshop fand statt im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie leben.

Sehr intensiv waren auch die Diskussionen direkt gegenüber, wo Frau El Sayed und ihr Team vom Verein „Islamforum Frankfurt“ gleich zwei aktuelle Themen der Islamdebatte diskutierten: Die Rolle der Frau und die Mitgestaltung der Gesellschaft in Deutschland durch Moscheegemeinden. Schnell stellten die Schülerinnen und Schüler fest, dass Moscheegemeinden ähnliche Funktionen übernehmen Gemeinden anderer Religionen auch. Eine Schülerin äußerte das Bild, es handle sich eigentlich um eine Art Familie, die man sich wähle. Ebenfalls stellte die Gruppe fest, dass viele Elemente der Rolle der Frau, die in Deutschland in der Kritik stehen, nicht verpflichtend im Islam, sondern eher ein kulturelles Element sind. Auch hier kamen allgemeine Fragen nicht zu kurz.

In der Gruppe nebenan waren nacheinander zwei Referentinnenteams zu Gast. Zunächst gaben Studierende der Goethe-Universität Frankfurt unter Leitung ihrer Dozentin Frau Dr. Rahmati einen Überblick über den Islam. Dabei konnten sie auf Kenntnisse aus den Fächern Ethik und Religion zurückgreifen und schlossen nach einer Fragerunde mit einem kurzweiligen Abschlussquiz. In einem Intermezzo zwischen den beiden Gesprächen stellte Jonathan (7a) die Geschichte von Abraham in englischer Sprache dar. Anschließend begrüßten die Jugendlichen ein Abrahamisches Team, bestehend aus Frau Akdeniz, Frau Faust-Kallenberg und Frau Kunik. Für ihre Religionen Islam, Christentum und Judentum standen sie Rede und Antwort zu vielfältigen spannenden Fragen der Jugendlichen: Warum sie überhaupt an einen Gott glauben, wie ihre Religionen zu Abbildungen von wichtigen Personen stehen, aber auch, wie sie eigentlich mit der Abweichung zwischen Urknalltheorie und den Schöpfungsberichten in den Religionen umgehen. Es stellte sich heraus, dass die drei Weltreligionen weit mehr Gemeinsamkeiten -auch über den gemeinsamen Stammvater Abraham hinaus- haben, als es Unterschiede gibt. Das Gespräch hätte auch hier für viele Schülerinnen und Schüler noch lange weitergehen können.

Der Einsatz von Abrahamischen Teams wird koordiniert vom Abrahamischen Forum in Deutschland e.V. (abrahamisches-forum.de/)

Zu dem Programm des Projekttags haben wir sehr viel konstruktives und fast nur positives Feedback von Schülerinnen und Schüler erhalten. Viele fanden, dass sie am Projekttag viel gelernt haben. Auch ihre eigenen Einstellungen und die anderer möchten sie noch genauer überprüfen.

Wir danken allen Referentinnen und Referenten.

Ebenso danken wir den Förderern der einzelnen Workshops.

Unser Dank gilt auch Frau Reinmann für die Begleitung sowie allen mitwirkenden Kolleginnen und Kollegen.

Bilder: Pfarrerin Katja Föhrenbach, Philipp (7d), Dr. Martin Krieger, Samuel Marée

Sina Maria Oetken