Besuch von Tarik Al-Wazir (MdB) am Gymnasium Nord
Am 28.10.25 besuchte Tarek Al-Wazir, ein Fraktionsmitglied der Grünen im Bundestag, das Gymnasium Nord und wurde von zwei zehnten Klassen in einer Fragerunde empfangen. Al-Wazir hatte die Studienfahrt der Schüler/innen nach Berlin im Oktober 2025 durch einen Fahrtkostenzuschuss unterstützt, was auch einen Besuch beinhaltet. Dieser fand im Rahmen des Unterrichtes bei Hr. Braun und Hr. Moulden statt.
Tarek Al-Wazir ist seit 1989 Mitglied der Partei Bündnis 90 Die Grünen. In diesen über 30 Jahren hat er viele Erfahrungen in den unterschiedlichsten politischen Rollen gemacht. Dazu zählen unter anderem seine Amtszeit als Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, welche er zehn Jahre lang bis 2024 innehielt, seine Zeit als Fraktionsvorsitzender im hessischen Landtag, und zuletzt auch seine Position als Vorsitzender im Verkehrsausschuss des deutschen Bundestages.
In der umfangreichen Fragerunde mit der 10d und 10f des Gymnasium Nord beantwortete Al-Wazir zahlreiche Fragen, angefangen mit seiner Meinung zu aktuellen Themen wie Merz’ Stadtbild-Aussage bis hin zur Klimapolitik und seinen persönlichen Erfahrungen in der Politik.
Ein gerade für uns Schüler sehr relevantes Thema ist die Wehrpflicht. Laut Al-Wazir müsse die Bundeswehr jetzt grundsätzlich wieder funktionieren, dabei hoffe er, dass sich genug Freiwillige für eine staatliche Musterung melden, um eine Wehrpflicht zunächst vermeiden zu können. Sei das nicht der Fall, müsse diese vermutlich wieder eingeführt werden. In dieser Hinsicht glaube er, dass ein neues System, beispielsweise mit einem verpflichtendem Gesellschaftsjahr für alle, welches eine Auswahl bieten würde, auch aus eigener Erfahrung im Zivildienst einen Mehrwert erbringen würde. Eine solche Regelung bedarf jedoch einer Änderung im Grundgesetz.
Als seine schwierigste Entscheidung in der Politik nannte Tarek al-Wazir den Entschluss, die Schulen am Anfang der Coronakrise erstmalig zu Schließen. Damals musste er die sozialen Defizite dieses Beschlusses in Kauf nehmen, um das Infektionsrisiko zu senken.
Sein Lieblingsprojekt sei die Einführung des Schülertickets 2017 und des Landestickets 2018. Bis heute spüre er die Folgen dieser Entscheidungen, zu welchen er als Selbstwirksamkeit referierte.
Doch wie kam Tarek Al-Wazir eigentlich zur Politik? Im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern erzählte er, wie die, unter anderem durch die Auflösung der rot-grünen Koalition verursachte, politische Spannung in den 80ern, ihn zu einer Aufklärungsaktion an Offenbacher Schulen motivierte. Später war er Mitgründer der Grünen Jugend Hessen, welche bis heute die Interessen von politisch interessierten Jugendlichen vertritt. Nach eigener Aussage möchte der Politiker sich von den neuen Entwicklungen der Jugendpartei differenzieren, da diese häufig auf starkem Konkurrenzdenken basiere. Auf die Frage, ob er sich auch einer anderen Partei zuordnen könne, antwortete er ein schlichtes „Nein“, da er zwar nicht immer zwingend von allen Aussagen seiner Kolleg/innen überzeugt sei, aber den Grundsätzen der Grünen stets zustimmen würde.

Viele Fragen der Schülerschaft bezogen sich auf Al-Wazirs Meinung bezüglich der AfD: Der Abgeordnete bezeichnete das populistische Vorgehen der Partei als ein wiederkehrendes Konzept und zog immer wieder Parallelen zur neuen Kulturtechnik, die aus der Etablierung von sozialen Medien bestehe. Er verglich diese mit der Erfindung des Buchdruckes oder dem Radio, Erfindungen, die neben ihrer Erweiterung der Informationsverbreitung, auch Propaganda ein Sprachrohr baten. Soziale Medien seien jedoch durch ihre unkontrollierbare Anonymität nicht zu überwachen, weshalb er den Fokus auf den richtigen Umgang mit solchen Techniken lege. Al-Wazir erwähnte oft die Einfachheit der Verbreitung von Hetze im Netz. Dabei würde die AfD mit kurzen Antworten wie „die Migranten sind schuld“, die für den Populismus notwenigen Feindbilder schaffen. Ein Austausch in den Echokammern, oder nach Al-Wazir „Bubbles“, arbeite mit Emotionen und bestätige einen nicht neutralen Algorithmus, ein weiters Problem der sozialen Medien. Wie auch die Politik arbeiten diese häufig mit Emotionen, was seine Arbeit erschwere. Beispielsweise sei auch das Tempolimit ein emotionales und deshalb schwieriges Thema.
Der Abgeordnete kritisierte auch den Bundeskanzler Friedrich Merz hinsichtlich der Aussage „wir haben ein Problem in unserem Stadtbild“.
Das Gespräch mit Tarek Al-Wazir war eine einmalige und sehr interessante Erfahrung, welche uns Vieles aus dem Leben und Arbeiten als Politiker nähergebracht hat. Wir danken dem deutschen Bundestag vielmals für das Sponsoring, welches uns einen umfangreichen Besuch im Bundestagsgebäude ermöglicht hat.
Lou,10f




