Junge Paulskirche, wo man Demokratie erlebt, anstatt nur darüber zu reden

In diesem Schuljahr habe ich die Möglichkeit, an einem besonderen Programm teilzunehmen: der Jungen Paulskirche in Frankfurt. Dabei handelt es sich um ein demokratiebildendes Projekt für Oberstufenschülerinnen und Schüler, das jungen Menschen Raum gibt, sich intensiv mit gesellschaftlich und politisch relevanten Fragen auseinanderzusetzen, und zwar nicht nur theoretisch, sondern vor allem im offenen Austausch und in echten Debatten. 

Ich besuche das Gymnasium Nord und wurde dazu von meiner Schule für dieses Programm vorgeschlagen. Einer meiner LKs ist Powi bei Hr. Moulden. Die Teilnahme beginnt mit einer Bewerbung. In einem Essay mussten wir zu einem vorgegebenen Thema Stellung beziehen. Auf Grundlage dieses Textes wurde entschieden, wer aufgenommen wird. Insgesamt wurden 18 Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Frankfurter Schulen angenommen.

 Zu Beginn des Programms wurden wir in zwei Fraktionen eingeteilt, die jeweils von einem der beiden Programmleiter betreut werden. Meine Fraktion steht unter der Leitung von Helge. In mehreren Team-Building-Nachmittagen hatten wir zunächst die Gelegenheit, uns besser kennenzulernen, Vertrauen aufzubauen und als Gruppe zusammenzuwachsen. Diese Treffen waren besonders wichtig, da wir im weiteren Verlauf des Programms viel besser miteinander diskutieren und zusammenarbeiten konnten. 

Der Kern der Jungen Paulskirche besteht aus insgesamt fünf Debatten, von denen bisher zwei stattgefunden haben. Die Themen aller Debatten kennen wir bereits seit dem ersten Tag, sodass wir uns über mehrere Wochen intensiv vorbereiten können. Zusätzlich erhalten wir etwa ein bis zwei Wochen vor jeder Debatte Vorbereitungsmaterial, das uns hilft, Argumente zu entwickeln und uns in das Thema einzuarbeiten. Kurz vor der Debatte findet außerdem ein Online-Meeting über Zoom statt, in dem wir unsere Argumente gemeinsam strukturieren und uns als Fraktion abstimmen. 

Am Tag einer Debatte treffen wir uns in der Stiftung, wo für Essen und Getränke gesorgt ist. Anschließend gehen wir gemeinsam in den Debattenraum. Dort findet zunächst eine anonyme Abstimmung statt, bei der wir angeben, wie wir persönlich zum Debattenthema stehen. Nach der Debatte wird diese Abstimmung erneut durchgeführt, um zu sehen, ob und wie sich Meinungen verändert haben. 

Ein besonders spannender Teil jeder Debatte ist die Unterstützung durch Expertinnen und Experten. Zur Halbzeit geben sie uns kurze Impulse und Tipps, und am Ende stehen sie für Fragen zur Verfügung. Dadurch wird die Diskussion noch fundierter und praxisnäher.

In der kommenden Debatte wurde ich als Speaker ausgewählt. Das bedeutet, dass ich die Einleitung für meine Fraktion übernehme und unsere Position in die Debatte einführe, natürlich in enger Zusammenarbeit mit den anderen aus meiner Gruppe. Diese Rolle ist eine große Verantwortung, aber auch eine wertvolle Erfahrung, vor allem im Hinblick auf Argumentationsfähigkeit und Selbstsicherheit.

Zum Abschluss des gesamten Programms ist außerdem eine gemeinsame Fahrt nach Bonn geplant, die einen weiteren politischen und historischen Bezug herstellt und das Projekt abrundet. 

Die Junge Paulskirche zeigt, wie wichtig es ist, uns jungen Menschen zuzuhören und ihnen Raum für Diskussionen zu geben. Es fördert kritisches Denken, respektvollen Austausch und demokratisches Bewusstsein. Fähigkeiten, die weit über die Schulzeit hinaus von Bedeutung sind. Für mich ist die Teilnahme eine bereichernde Erfahrung, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch Mut macht, die eigene Meinung zu vertreten und andere Perspektiven ernst zu nehmen.

Lara-Marie B. (Q2)