Religionslerngruppe der Klasse 10a weiterhin im interreligiösen Dialog aktiv

Im September 2025 gewann die Religionslerngruppe der Klasse 10a des Gymnasiums Nord mit ihrem Modell eines „House of One“ den Interreligiösen Architekturwettbewerb für Schulen der Frankfurter Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ). Sie erhielt dafür aus den Händen von Heike Hofmann, der Hessischen Ministerin für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales, nicht nur den Abrahampokal der GCJZ Frankfurt, sondern auch ein Preisgeld in Höhe von 100,- €. Die Lerngruppe beschloss, dieses Geld für ein Jüdisches Essen zu verwenden, das am 10.2. im Religionsunterricht stattfand.

Zu dem Jüdischen Essen hatte die Lerngruppe die Schriftstellerin und Schauspielerin Petra Kunik vom Egalitären Minjan der Jüdischen Gemeinde eingeladen, die seit langem auch Vorsitzende der GCJZ in Frankfurt ist und als interreligiöse Referentin Schulen besucht, darunter seit bereits 2017 auch das Gymnasium Nord. Vor dem eigentlichen Essen sprach Kunik über die Grundlagen der jüdischen Küche, deren Gerichte „koscher“ („rein“) sein müssen. Nicht koscher ist es, Milch- und Fleischprodukte gemeinsam zu verzehren, eine Regel, die auf das Buch Exodus zurückgeht: „Das Junge einer Ziege sollst du nicht in der Milch seiner Mutter kochen“ (Ex 23,19). Ein Schnitzel in Sahnesoße ist also nicht erlaubt, wobei es bekanntermaßen sowieso kein Schweineschnitzel sein darf, da Tiere gespaltene Hufe haben und Wiederkäuer sein müssen, um nach der Tora als koscher zu gelten. Die besondere Abneigung des Judentums gegen Schweinefleisch wurzelt in der Tatsache, dass das Schwein als einziges aller Haustiere keinem anderen Zweck dient, als geschlachtet und gegessen zu werden. Bei der Zubereitung koscherer Tiere muss überdies darauf geachtet werden, dass sie mit Küchenutensilien erfolgt, die nicht für Milchspeisen verwendet werden. Kunik berichtete, dass es in manchen Wohnungen jüdischer Familie deshalb sogar zwei Küchen oder zumindest zwei Spülbecken gebe.

Nach Frau Kuniks Erläuterungen kosteten die Lernenden von den koscheren Speisen, die ihr Lehrer besorgt hatte: Es gab verschiedene Sorten von Hummus und Tahini, Varianten von Gefilte Fisch, Fladenbrot und als Nachspeisen Hamantaschen und Dattelkekse. So bekamen die Lernenden einen kleinen Eindruck von der Vielfalt der jüdischen Küche.

Die Verleihung des Abrahampokals an die Religionslerngruppe der 10a hatte aber nicht nur diesen kulinarischen Termin zur Folge. Bereits am 4.12.25 nahm Kilian Fuchs für die Lerngruppe im Zentrum Ökumene der EKHN und EKKW an einer Veranstaltung teil, die der Architekt Hans-Robert Hiegel als einer der Initiatoren des Interreligiösen Architekturwettbewerbs organisiert hatte. Auf der Veranstaltung, an der auch Dr. Felix Klein, der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, teilnahm, wurde ein Film über die Preisverleihung im Römer vorgestellt. In ihm wurde nochmals deutlich, welche Bedeutung das Projekt eines „House of One“ für das interreligiöse und gesellschaftliche Zusammenleben hat.

Text und Fotos: Dr. Martin Krieger